Archiv früherer Artikel und Beiträge aus dem Ressort «Aktuell»

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Das Rebhuhn und das Berner Seeland
von Mark Struch

Vor nicht allzu langer Zeit war das Rebhuhn auch im Berner Seeland noch heimisch. Der Bestandsrückgang nahm in den achtziger Jahren stetig zu und vor gut 10 Jahren verschwanden auch die letzten Vertreter dieses Feldhuhns gänzlich aus dem Seeland. Die Ursachen für den Bestandsrückgang liegen in erster Linie im Lebensraumverlust durch die intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Gravierende Auswirkungen auf das Rebhuhn hatten auch die Einführung der synthetischen Dünger und Pestiziden, deren grossflächiger Einsatz zu einer massiven Verarmung von Flora und Fauna des Ackerlandes beitrugen. Kleintiere, wie zum Beispiel pflanzenfressende Insekten leben vorwiegend von Ackerunkräutern und sind für junge Rebhühner eine sehr wichtige Nahrungsgrundlage.

Seiner natürlichen Lebensweise folgend, ist das Rebhuhn als ursprünglicher Steppenbewohner an einen eher trockenen, offenen Lebensraum gebunden und findet in ackerbaulich genutzten Gebieten der Ebene und der tiefer gelegenen Hügelzonen optimale Lebensbedingungen. Anders als die Wachtel, die als Zugvogel nur im Sommerhalbjahr bei uns verweilt, ist das Rebhuhn als ausgesprochener Standvogel ganzjährig auf einen, ihm entsprechenden Lebensraum angewiesen. Das Rebhuhn stellt sehr hohe Ansprüche an sein Heimgebiet. Eine hohe Vielfalt an landwirtschaftlichen Kulturen und ein Netz an unterschiedlichen Kleinstrukturen in der Landschaft, wie z.B. Altgrassäume, unbefestigte Feldwege, Niederhecken, Brachflächen etc. sind von zentraler Bedeutung für das Feldhuhn. Die Nahrung des Rebhuhns besteht zu Beginn seines Lebens vorwiegend aus eiweissreichen Insekten und anderen Kleintieren. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil an pflanzlicher Kost.


Das Rebhuhn gilt als Schirmart für die Feldflur, was heisst, dass mit dessen Förderung auch für viele andere - einst zahlreich vorhandene Bewohner des Feldes, wie zum Beispiel die Grauammer, die Feldlerche oder das Schwarzkehlchen - wieder eine Lebensgrundlage geschaffen würde. Die aktuellen Bestrebungen in Richtung einer verstärkt ökologischen Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche sowie diverse Renaturierungsprojekte seitens des Naturschutzes, der Jäger und Fischer in Zusammenarbeit mit den politischen Gemeinden tragen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Tierarten der Feldflur bei. Für das einstige Rebhuhnvorkommen im Berner Seeland kamen jedoch die ökologischen Aufwertungen etwas zu spät und die Tierart verschwand aus der Landschaft.
Aktuelle Wiederansiedlungsprojekte im Kanton Schaffhausen und Förderungsmassnahmen für das Rebhuhn im Kanton Genf stimmen aber optimistisch und ein Überleben der einstigen Allerweltsart in Ackerbaugebieten der Schweiz, gestützt auf Wiederansiedlungen in dafür geeigneten Gebieten, rückt in greifbare Nähe.


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