Archiv früherer Artikel und Beiträge aus dem Ressort «Aktuell»

Wilderei – Verurteilung aus wildbiologischer Sicht
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Der Rothirsch im Kanton Bern
Wilderei – Eine Verurteilung aus wildbiologischer Sicht
von Mark Struch, 5. September 2007



Die Gemse in der Hohen Tatra, eine endemisch lebende Unterart unserer Alpengemse, ist heute akut vom Aussterben bedroht. Grund dafür sind nicht die seit Urzeiten vorhandenen Grossraubtiere, sondern Wilderei durch den Menschen.

Wilderer schiessen auch die Population des Sibirischen Tigers zusammen. Der heutige Bestand dieser Raubkatzenart besteht nur noch aus wenigen Individuen und ein langfristiges Überleben ist in Frage gestellt. Der europäische Braunbär leidet gebietsweise ebenfalls unter Wilderei. Durch illegale Tötungen ist beispielsweise der Bestand einer Bärenteilpopulation in unserem östlichen Nachbarland auf wenige Exemplare zusammengeschrumpft und steht kurz vor dem Erlöschen. Wir selber müssen wir auf eine unrühmliche Geschichte betreffend Ausbeutung der Wildbahn zurückblicken. Unsere Ur- und Ururgrossväter dezimierten die einheimischen Schalenwildbestände derart, dass das Aussterben von Reh, Gemse, Steinbock und Hirsch kurz bevor stand oder bereits Tatsache war. Vom Biber, der lange vor dem Schalenwild durch Ausrottung verschwand soll nicht die Rede sein. Ganz zu schweigen von den Grossraubtieren, die als Feinde vom Mensch eliminiert wurden. Wilderei ist und bleibt die grösste Bedrohung einer Tierart

Eine Mehrheit der Jagdorganisationen (Verbände, Vereine, Jagdgesellschaften, etc.) europaweit, stellt sich offiziell positiv zur Präsenz von Grossraubtieren und strebt ein Zusammenleben mit Luchs, Wolf und Co. an. Das ist erfreulich, denn wie, wenn nicht zusammen mit den JägerInnen, kann ein Zusammenleben mit den Grossraubtieren gefördert werden. Es ist aus der Sicht der Wildtierbiologie eine zentrale Aufgabe seitens der Jagd die nachhaltig und ökologisch denkenden und handelnden Grünröcke aus den eigenen Reihen beim Aufbau einer künftigen fortschrittlichen Jagd im Einklang mit den Grossraubtieren und der generellen Biodiversität zu unterstützen und in diesem Sinn auch eine wirklich nachhaltige Jagd im laufenden Jahrhundert weiterhin zu fördern und letztendlich zu gewährleisten.

Die aktuellen Verdachte auf Luchswilderei im Berner Oberland belasten das Verfolgen des gemeinsamen Ziels und verunmöglichen im Moment mit Sicherheit ein passendes Vorgehen im Umgang mit den Grossraubtieren. Das Luchskonzept Schweiz würde ganz klar beinhalten, dass ein hoher Luchsbestand lokal oder regional einen starken Einfluss auf die Hauptbeutetierarten Rehe und Gämsen haben kann. Ebenfalls wären die Bedingungen für Eingriffe in den Luchsbestand klar formuliert. Es ist aber auch klar, dass ein Eingriff in den Luchsbestand auf sorgfältig erhobenen Grundlagen stehen muss. Stammtisch-Korrelationen sind für die genannten Ziele und für das Ergreifen selbstherrlicher Massnahmen keine Grundlagen! Es braucht eine wissenschaftlich abgestützte neutrale Datenbasis für die Beurteilung sämtlicher Wildbestände und letztendlich deren Managements. Beim Luchs gilt es weiter zu bedenken, dass das Konzept Luchs Schweiz auch zum Ziel hat in unserem Land eine langfristig überlebensfähige und den Verhältnissen angepasste Population von Luchsen im Kontext einer gesicherten Luchspopulation im gesamten Alpenbogen zu fördern.


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